Garten und Rosen

Mir ist der heimatliche Garten einer meiner liebsten Orte, an dem ich seelisch ausatmen kann und zur Ruhe komme, in dem die alten, historischen Rosen, die ich besonders liebe, aber auch viele schöne neuere Züchtungen, mittlerweile ja auch wieder mit dem berühmten Rosenduft, ein bevorzugtes Zuhause haben. Eine Bank in der Tiefe des Gartens unter rankenden Rosen lädt mich immer wieder zum Verweilen ein, und auf einer anderen Bank unmittelbar am Haus beschließe ich, wenn es das Wetter erlaubt, unter dem Auge des Polarsterns den Tag.

Der Garten, jeder Garten, hat sein Vorbild und seine Urgestalt im Garten Eden der Bibel, in dem sich die Schöpfung dem Menschen erschloss und es noch heute tut, wenn er sich dem Wachsen, Blühen und Reifen öffnet, in dem Gott dem Menschen begegnete und mit ihm sprach. Etymologisch meint Garten einen umfriedeten, geschützten Bezirk. In leichten Abwandlungen kommt die Silbe „gart“ in allen indogermanischen Sprachen vor, und in übertragener Bedeutung finden wir sie noch in „Gurt“ und „Gürtel“, sowie in den Frauennahmen wie Hildegard, Irmgard und Luitgard, wo es das mütterlich Behütende und Bergende in der Frau benennt.

Meine Vorliebe für Rosen gründet in ihrem unwiderstehlichen Zauber, ihrer hinreißenden Schönheit in Form, Farbe  und Duft und ihrer oft sanften Schwermut. Die historischen Rosen, die zum Teil eine Geschichte von vielenJahrhunderten haben, zeichnen sich durch den ursprünglichen typischen Rosenduft und eine besondere Form der Blüte aus.  Allerdings ist es den Züchtern gelungen, auch moderneren Sorten wieder den süßen Rosenduft einzuhauchen.

Die Geschichte der Rosen ist spannend. Die heutigen Rosen sind entstanden aus Kreuzungen der alten, einmal blühenden europäischen Rosen mit chinesischen Rosen, die durch die europäisch-fernöstlichen Handelsbeziehungen im 17./18. Jahrhundert  zu uns gekommen sind und zwei Eigenschaften mitbrachten: Dauerblüte und gelbliche und tiefrote Farbtöne.

Auf der Grabplatte Rainer Maria Rikes in Raron im Rhonetal lesen wir:
„Rose, oh reiner Widerspruch,
Lust, niemandes Schlaf zu sein
Unter soviel Lidern“