Verletzliches Dasein

„Verletzliches Dasein"
Gedichte,
1991,
79 Seiten,
ISBN 3-88325-485-1

 

Furchen in mir

In meine Erde reißt
dein Kuss die Furchen,
die nicht mehr verwittern.
Deine Arme umwachsen mich,
auspressen mir das Blut,
das ich dir schenke.
Pflug bist du und Liane
oder die Schlange,
die mich erdrosselt.
Ich stoße meinen Kopf
an unserer Unmöglichkeit
und bin gefangen in der Liebe
wie der Häftling in der Zelle.
Deine Nähe verändert mich
und lässt mich erblühen.
Und immer dein Körper:
Jelängerjelieber.

Im Nachtzug

Im Nachtzug gestern, du.
Deine Augen mir gegenüber
versenkt in Die Zeit,
Innenblatt du, Außenblatt ich.
Metapher: versenkt in die Zeit,
verhaftet, verloren.
Deine Zeit, unsere Zeit,
an wie vielen Tagen
dein Körper dort, mein Körper hier.
In wie vielen Nächten wir
auf der Landkarte der Welt,
auf den Flugstraßen unserer Herzen.
Im Logbuch die Schrift:
"Versenkt in die Zeit".
Wie lange noch?