Kunst

Für mich war das Feld der Kunst durch meine Liebe zur Sprache über viele Jahre ausschließlich die Dichtung  in Gestalt von Gedichten, Essays, Kurzgeschichten. Ihr ist ein eigenes Kapitel gewidmet. In den letzten Jahren aber lockte es mich, es auch mit Malerei und Gestaltung von Skulpturen zu versuchen. Es entstanden Bilder (Landschaften, mythische Themen, Abstraktionen) und plastische Arbeiten in Ton, Speckstein, Alabaster und Bronze. Das vorherrschende Thema dieser Arbeiten sind die menschliche Gestalt, Köpfe und Gesichter. Hier setzt sich wohl meine berufliche Beschäftigung mit dem Menschen auf einer anderen Ebene fort. Ich hatte die Gelegenheit mit Werken von mir an Ausstellungen der ARE-Gilde teilzunehmen. Im Mai 2012 hatte ich eine eigener Ausstellung in der ehemaligen Synagoge von Ahrweiler.

Immer schon haben Denker und Künstler darüber nachgedacht, warum Menschen Kunst schaffen und was Kunst sei. Die Hinführung zu einer möglichen Antwort finde ich bei Gisela Dischner in ihrem Buch über Rainer Maria Rilke „Wandlung ins Unsichtbare“ (Philo-Verlag). Sie schreibt  (Seite 125/126) über die Deutung Rilkes, die er dem Phänomen Kunst gibt:  Die dichterische (künstlerische H.S.) Tätigkeit ist nicht vom Leben abgetrennt. Sie  ist  Leben  und die Kunst zu leben umfasst diese dichterisch-liebende Tätigkeit. Liebe,  Dichtung und Leben sind in der Dichter-(Künstler-)existenz  ungetrennt.  Die Existenzweise des Dichters, zu der die ihm notwendige Einsamkeit gehört, wird als ein Überflüssiges und Luxurierendes betrachtet, geht man von der Kunst als Verdoppellung der Wirklichkeit aus. Wie sollte die Arbeit des Dichters Liebe sein, wie es Rilke im „Testament“ postuliert, wenn es um die Wiederholung der Wirklichkeit ginge und nicht darum, etwas zu schöpfen, das den, der es empfängt im Nachvollzug selber Schöpfer werden lässt?  Nur so werden wir „Eingeweihte des Lebens“.  Deshalb ist Kunst „die Ergänzung des Gottesbildes, das die wirkliche Welt nur teilweise ausdrückt“ (Rilke).